Techniken der Formgebung
Wie Ton bearbeitet und geformt wird
Die Formgebung ist ein zentraler Bestandteil der keramischen Arbeit.
Hier findest du einen Überblick über bewährte Techniken und praktische Methoden aus dem Atelieralltag.
Inhalte im Überblick:
Auf dieser Seite findest du grundlegende Informationen zu den wichtigsten Techniken der keramischen Formgebung und ihrer praktischen Anwendung
Ich teile hier Wissen aus dem Atelieralltag und erkläre verständlich, wie aus Ton durch unterschiedliche Arbeitsweisen stabile und ausdrucksstarke Formen entstehen
Wähle ein Thema und vertiefe dein Verständnis Schritt für Schritt
Jede Technik eröffnet neue gestalterische Möglichkeiten und prägt den Charakter eines Werkstücks.
Interessierst du dich für die Eigenschaften von Ton, den Ablauf des Brennens oder suchst du Antworten auf typische Fragen?
In den anderen Kapiteln findest du vertiefende Informationen über den Werkstoff Ton, das Brennen oder Antworten auf häufig gestellte Fragen in den FAQs.
Bevor der Ton seine Form bekommen kann....
Aufbereitung und Kneten von Ton
Wie bereits im Abschnitt zu den keramischen Werkstoffen beschrieben, besteht Ton aus winzig kleinen, plättchenförmigen Partikeln. Diese gleiten auf feinen Wasserschichten übereinander und verleihen dem Material seine plastischen Eigenschaften.
Damit sich der Ton gut formen lässt, wird er vor der Verarbeitung aufbereitet und homogenisiert. Dabei kommen vor allem zwei Methoden zum Einsatz: das Schlagen und das Kneten.
Ton schlagen
Das Schlagen wird vor allem bei größeren Tonmengen angewendet, zum Beispiel bei der Wiederaufbereitung von Restmaterial.
Dabei wird der Ton kräftig auf eine stabile Unterlage geworfen, in der Mitte geteilt und die beiden Hälften wieder zusammengeschlagen. Dieser Vorgang wird mehrfach wiederholt.
So entstehen gleichmäßige Schichten, Lufteinschlüsse werden reduziert und die Masse wird zunehmend homogener.
Ton kneten
Beim Kneten wird die benötigte Tonmenge mit speziellen Techniken wie dem Spiralkneten oder dem Widderkopf-Kneten bearbeitet.
Ziel ist es, eingeschlossene Luft zu entfernen, die Feuchtigkeit gleichmäßig zu verteilen und eine geschmeidige, gleichmäßige Masse zu erzeugen. Ein gut gekneteter Ton lässt sich leichter formen und verringert das Risiko von Rissen oder Fehlern beim Brennen
Eine sorgfältige Aufbereitung bildet die Grundlage für stabile, langlebige und sauber gearbeitete Keramikstücke.
Das Pinchen (englisch to pinch = kneifen, drücken) ist eine der ursprünglichsten und „einfachsten“ Methoden der keramischen Formgebung.
Dabei wird eine Tonkugel mit dem Daumen eingedrückt und anschließend zwischen Daumen und Fingern gleichmäßig ausgedünnt. Währenddessen wird das Werkstück kontinuierlich in der Hand gedreht, um eine gleichmäßige Wandstärke zu erreichen.
Mit dieser Technik lassen sich vor allem kleinere Schalen, Schüsseln und Gefäße formen. Sie eignet sich besonders gut für den Einstieg in die Arbeit mit Ton und fördert ein direktes Gefühl für Material und Form.
Aufbautechnik (Wulsttechnik)
Bei der Aufbautechnik wird ein Objekt schichtweise aus Tonwülsten oder -streifen aufgebaut. Ausgangspunkt ist meist eine Bodenplatte, auf die der Rand anschließend Reihe für Reihe aufgesetzt wird.
Die einzelnen Schichten werden sorgfältig miteinander verstrichen, damit eine stabile und gleichmäßige Verbindung entsteht. So wächst das Gefäß nach und nach in die Höhe und erhält seine Form.
Diese Technik eignet sich besonders für Gefäße und Vasen mit freien, unregelmäßigen oder organischen Formen. Sie bietet viel gestalterischen Spielraum und ermöglicht individuelle, ausdrucksstarke Arbeiten.
Bei der Plattentechnik werden mit einer Walze oder einer Walzenpresse gleichmäßig dicke Tonplatten hergestellt. Diese werden anschließend in die gewünschte Form geschnitten und mit Schlicker sorgfältig miteinander verbunden.
Auf diese Weise entstehen stabile Grundformen, die weiter bearbeitet werden können. Die Technik eignet sich besonders für größere, gleichmäßige Objekte wie zylindrische oder eckige Gefäße.
Gleichzeitig bietet sie auch die Möglichkeit, freie und unsymmetrische Formen zu gestalten und individuelle Akzente zu setzen
Überformtechnik
Bei der Überformtechnik wird Ton oder werden Tonplatten über eine Gipsform gelegt. Mit einem feuchten Schwamm wird das Material vorsichtig an die Konturen der Form angedrückt, sodass sich deren Struktur und Form überträgt.
Während des Trocknens beginnt der Ton zu schwinden. Daher ist es wichtig, das Werkstück rechtzeitig von der Form zu lösen, bevor es sich festsetzt oder Spannungen und Risse entstehen.
Diese Technik eignet sich besonders für die Herstellung gleichmäßiger Formen und wiederkehrender Grundformen mit individuellen Oberflächengestaltungen.
Die Einformtechnik ähnelt in ihrer Grundweise der Überformtechnik, unterscheidet sich jedoch durch die Form der Gipsform. Diese besitzt einen Hohlraum oder eine Wölbung, in die der Ton eingepresst wird.
Dabei passt sich das Material der Innenform an und übernimmt deren Kontur. Auf diese Weise lassen sich gleichmäßige Schalen, Schüsseln und kugelförmige Gefäße herstellen.
Auch bei dieser Technik ist es wichtig, den Ton rechtzeitig aus der Form zu lösen, um Spannungen und Rissbildungen zu vermeiden.
Drehen an der Töpferscheibe (Freidrehen)
Für das Drehen wird eine Töpferscheibe benötigt, auf der der Tonklumpen mittig auf dem Scheibenkopf platziert wird. Der erste und wichtigste Arbeitsschritt ist das exakte Zentrieren des Tons, sodass er gleichmäßig und ruhig rotiert.
Erst wenn der Ton vollständig zentriert ist, wird er geöffnet und zu einem Zylinder hochgezogen. Aus dieser Grundform entsteht anschließend durch gezielte Handbewegungen die gewünschte Gefäßform.
Nach dem Drehen wird das Werkstück vom Scheibenkopf gelöst und langsam getrocknet, bis es den lederharten Zustand erreicht. In diesem Stadium wird es mit speziellen Werkzeugen abgedreht, um Wandstärke, Fuß und Form zu verfeinern.
Das Drehen an der Scheibe zählt zu den anspruchsvolleren keramischen Techniken. Es erfordert Geduld, Übung und Erfahrung, um präzise und gleichmäßige Ergebnisse zu erzielen.
Eindrehen
Beim Eindrehen handelt es um eine maschinelle Form des Drehens für Serien und für die Massenproduktion. Hierbei wird der Tonklumpen in eine rotierende Gipsform innerhalb eines metallischen Gehäuses (Eidrehspindel) gegeben und mittels einer Schablone in die gewünschte Form gebracht.
Der Tonüberschuss bleibt an der Schablone haften oder quillt seitlich heraus, weshalb das gedrehte Stück immer die gleiche Wandstärke und Form aufweist. Mit dieser mechanischen Formgebung erreicht man in kurzer Zeit eine hohe Anzahl exakter Abformungen.
Für die Gießtechnik werden spezielle Gipsformen verwendet, die entweder selbst hergestellt oder im Fachhandel für Keramikbedarf erworben werden können.
Als Material dient eine sogenannte Gießmasse, die aus fein gemahlenen Tonmineralien, Wasser und Verflüssigungsmitteln angerührt wird. Diese flüssige Masse wird in die Form gegossen und dort für eine bestimmte Zeit belassen. Währenddessen entzieht der Gips der Masse Feuchtigkeit, sodass sich an den Formwänden eine feste Schicht bildet.
Nach Erreichen der gewünschten Wandstärke wird die überschüssige Masse ausgegossen. Das Werkstück bleibt in der Form, bis es ausreichend angetrocknet ist, und wird anschließend vorsichtig entnommen.
Nach dem Entformen ist meist eine Nachbearbeitung notwendig. Dabei werden Gussnähte, Grate und überstehendes Material (Einfüllbereich) entfern und die Oberfläche gesäubert.
Beim Modellieren wird aus einem Tonklumpen mit den Händen und speziellen Werkzeugen schrittweise die gewünschte Form aufgebaut. Durch gezieltes Auftragen und Abtragen von Material entsteht zunächst eine Rohform, die anschließend weiter ausgearbeitet wird.
Bei größeren Arbeiten wird das Werkstück häufig auf einer inneren Stützkonstruktion, einer sogenannten Armatur, aufgebaut. Diese sorgt für Stabilität während des Formungsprozesses.
Sobald die äußere Form weitgehend fertiggestellt ist, wird das Objekt bis zum lederharten Zustand getrocknet. In diesem Stadium ist es ausreichend stabil, um weiterbearbeitet zu werden. Das Werkstück wird nun geöffnet, die Armatur entfernt und das Innere ausgehöhlt. Dadurch entsteht eine gleichmäßige Wandstärke, die das spätere Trocknen erleichtert und Rissbildungen reduziert.
Um Spannungen beim Trocknen zu vermeiden, werden dickere Bereiche häufig angeraut oder mehrfach angestochen. Anschließend werden die Teile mit Schlicker wieder verbunden, die Übergänge verstrichen und die Oberfläche final ausgearbeitet.
Das Modellieren eignet sich besonders für Skulpturen und größere, frei gestaltete und unsymmetrische Arbeiten.
Keramik weiter vertiefen
Von den Materialien zur praktischen Anwendung
Die Techniken der Formgebung bilden die Grundlage jeder keramischen Arbeit. Doch erst das Zusammenspiel mit den richtigen Werkstoffen und einem kontrollierten Brennprozess verleiht den Stücken ihre endgültige Stabilität und Ausstrahlung.
Wenn du dein Wissen weiter ausbauen möchtest, findest du in den folgenden Kapiteln vertiefende Einblicke in Materialien und Brennverfahren – verständlich erklärt und praxisnah vermittelt.
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